Krebsforscher fordern Verbot des Heilpraktiker-Berufs

Drei Krebspatienten sind bei einer umstrittenen Therapie gestorben. Der Fall löst eine Debatte über die Grenzen des Heilpraktikerberufs aus.

Für den Tod von drei Krebspatienten soll ein Heilpraktiker aus Moers verantwortlich sein:

Der 61-Jährige steht ab dem heutigen Freitag vor dem Landgericht Krefeld. Laut Anklage hatte er den schwerkranken Patienten in seinem „Biologischen Krebszentrum“ in Bracht Ende Juli 2016 eine Infusion mit einem experimentellen Wirkstoff verabreicht.

Ein Fehler beim Abwiegen soll zu einer Überdosis geführt haben. Der Fall sorgt erneut für eine Diskussion über die Ausbildung von Heilpraktikern, die in Deutschland bislang kaum reguliert ist. Experten fordern, den Heilpraktikerberuf „ganz zu verbieten oder zumindest so stark einzuschränken, dass beispielsweise Krebs und Herz-Kreislauf-Krankheiten nicht mehr behandelt werden dürfen“, erklärt Susanne Weg-Remers, Leiterin des Krebsinformationsdienstes des Deutschen Krebsforschungszentrums. „Heilpraktiker bieten in aller Regel Therapieverfahren an, deren Wirksamkeit nicht wissenschaftlich nachgewiesen ist.“

Hinzu komme, dass Heilpraktiker keiner standardisierten Ausbildung unterworfen werden. „Sie müssen nachweisen, dass sie bestimmte medizinische Grundkenntnisse haben und die im Heilpraktikergesetz aufgeführten Grenzen für ihre Tätigkeit kennen. Die Ausgestaltung der Prüfung hängt stark vom Amtsarzt ab, der sie durchführt.“ Meist handelt es sich um einen Multiple-Choice-Test und eine mündliche Prüfung. Darüber hinaus wird kein Ausbildungsnachweis gefordert, es genügt ein Hauptschulabschluss. Auch eine Pflicht zu Fortbildungen gibt es nicht.

„Man kann nicht sicher sein, dass alle Heilpraktiker über ein ausreichendes medizinisches Grundwissen verfügen“, sagt Weg-Remers. „Und ob sie erkennen können, wann sie einen Patienten besser an einen Arzt verweisen.“ Heilpraktiker wehren sich gegen „Rechtfertigungsfalle“ Dass ein ganzer Berufsstand wegen eines „kompletten Einzelfalles“ in die „Rechtfertigungsfalle gerät“, ärgert Ulrich Sümper, Präsident des Bundes Deutscher Heilpraktiker. „Was der Kollege aus Moers gemacht hat, hat mit uns nichts zu tun.“ Heilpraktiker seien natürlich einer ganzen Reihe von Vorschriften und Gesetzen unterworfen.

Es sei klar nicht erlaubt gewesen, den Patienten den Stoff 3-Brompyruvat zuzuführen. Die Substanz sei zwar nicht verboten, aber „alles was ich daraus herstelle, ist sofort anzeigepflichtig. Das ist sicher keine Grauzone.“ Er lässt keinen Zweifel: „Schulmedizin ist in der Krebstherapie der Standard.“ Wenn einzelne Heilpraktiker Krebstherapien als Alternative verkaufen, „geht uns der Hut hoch“, sagt Sümper. Der Verband gehe gegen solche Schwarzen Schafe vor. Tatsächlich geraten jedoch auch populäre Angebote in Konflikt mit der Schulmedizin.

Etwa jede zehnte Anfrage beim Krebsinformationsdienst zielt auf begleitende oder alleinige „alternative“ Therapien.

Über 150 dieser Methoden hat der Krebsinformationsdienst gesammelt, einige stuft er als bedenklich oder sogar als gefährlich ein.

So können Johanniskrautmittel, die gegen Depressionen gegeben werden, oder Sojapräparate, die Wirksamkeit von Chemo- oder Antihormontherapien herabsetzen. Strenge „Krebsdiäten“ wie die Breuß-Kur stuft Weg-Remers als „gefährlich sogar für gesunde Menschen“ ein. Diese Kur propagiert, dass man sich 42 Tage lang nur von bestimmten Säften und Tees ernähren soll. Problempräparate seien auch bittere Aprikosenkerne oder „Vitamin B17“-Präparate, die in zu hohen Dosen zu Blausäurevergiftungen bis hin zum Tode führen können, so Weg-Remers. Patientenvertreter fordern schärfere Regeln „Für Heilpraktiker muss künftig die eindeutige Regel gelten: Verboten ist alles, was nicht ausdrücklich erlaubt ist“, fordert darum Eugen Brysch, Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz mit Sitz in Dortmund. „Es ist überfällig, dass das Heilpraktikerrecht grundlegend reformiert wird. Weiter fehlen bundesweit einheitliche Standards. So können Patienten kaum zwischen einem seriösen Anbieter und einem Scharlatan unterscheiden.“

Es dürfe nicht sein, so Brysch, „dass es in Deutschland weiterhin einfacher ist, Heilpraktiker zu werden als Krankenpfleger.“ Eine „Versachlichung“ der Debatte erwartet der Berufsverband Freie Heilpraktiker von dem Gerichtsprozess in Krefeld. „Angeklagt ist ein Heilpraktiker und nicht im Stile der Sippenhaft der Berufsstand oder die Berufsgrundlage der Heilpraktiker.“

Zum Pura Vida CBD Öl Web Shop

Teile mit der Welt:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.