Polizei kontrolliert dm-Kunden und konfisziert ein Cannabis-Produkt — das bringt Drogerien in Erklärungsnot

Der Hanf-Hype ist schon längst in den deutschen Ladenregalen angekommen. Von Shampoo über Tee bis hin zur Hanf-Bratwurst führen Rewe, dm, Rossmann und Co. bereits eine ganze Bandbreite an cannabishaltigen Produkten im Sortiment — in einigen findet sich auch der Stoff Cannabidiol (CBD).

Offenbar ist aber überhaupt nicht klar, ob der Einzelhandel CBD-haltige Lebensmittel verkaufen darf, wie ein kurioser Fall aus dem bayrischen Garmisch-Partenkirchen zeigt.

Die örtliche Polizei hatte dort Anfang April bei einer Kontrolle in der Innenstadt bei einem 31-Jährigen Passanten eine verdächtige Packung gefunden, auf der ein Cannabis-Blatt aufgedruckt war. Schnell stellte sich heraus: Es handelte sich dabei um einen Cannabis-Kaugummi der Marke Taff Inraff, die der Durchsuchte bei der Drogerie dm gekauft hatte. Auch Rossmann führt das Produkt. Hergestellt wird er von der Schweizer Firma Roelli Roelli Confectionary.

Polizei konfisziert Cannabis-Kaugummi von dm

Die Beamten konfiszierten daraufhin die Packung und schalteten das Landratsamt ein. „Soweit uns bekannt, wurde über das Landratsamt Garmisch-Partenkirchen eine Untersuchung des Produktes eingeleitet“, bestätigte ein Sprecher der örtlichen Polizei gegenüber Business Insider.

Der Fall wurde erst am Montag bekannt, nachdem der „Münchner Merkur“ darüber berichtete. Inzwischen wird die Angelegenheit laut der Zeitung vom Gesundheitsamt untersucht.

Das Problem: Laut Packungsangaben beinhaltet jeder Kaugummi fünf Milligramm des Stoffs CBD, pro Packung kommt man damit auf rund 70 Milligramm CBD. Die Substanz verursacht keinen Rausch, soll aber eine entspannende Wirkung haben.

CBD-Lebensmittel nicht verkehrsfähig — und trotzdem stehen sie im Regal

Nach Einschätzung des Bundesamts für Verbraucherschutz ist Cannabidiol in Lebensmitteln und in Nahrungsergänzungsmitteln allerdings nicht verkehrsfähig — und der Verkauf somit nicht erlaubt. Hintergrund ist die Novel-Food-Verordnung der EU, die für neuartige Lebensmittel eine Zulassung vorschreibt. Bei dem CBD-Extrakt handelt es sich der Interpretation der Behörde zufolge — anders als bei Hanfsamen, Hanföl oder Hanfmehl — um ein neuartiges Erzeugnis.

Die Verordnung dürfte dm und Rossmann bekannt sein: Nach einem Bericht von „Report Mainz“ im März nahmen die Drogerien CBD-haltige Öle und Tabletten aus dem Sortiment.

Warum der Cannabis-Kaugummi weiterhin online und in den Filialen von dm und Rossman erhältlich ist (Stand 30. April 2019), bleibt unklar. Der Gründer der Firma Roelli Roelli Confectionary, Andreas Roelli, begründete diesen Umstand mit einer Sondergenehmigung, zu der er sich nicht näher äußern könne. In einem Schreiben an Business Insider bekräftigte er, dass die Produkte in der Schweiz und in der EU legal und verkehrsfähig seien. „Die entsprechenden Gutachten liegen vor. Die Gründe dafür beinhalten aber wettbewerbsrelevante Informationen, die wir hier nicht preisgeben können.“

Auf eine entsprechende Anfrage von Business Insider antwortete dm-Marketingchef  Sebastian Bayer: „Aus unserer Sicht gibt es aktuell keinen Grund, das Produkt als bedenklich oder nicht verkehrsfähig einzustufen. Sollte sich an dieser Einschätzung etwas ändern, werden wir natürlich entsprechend reagieren.“ 

Neben den Kaugummis listet dm weiterhin online auch CBD-Öl und CBD-Kapseln. Bei Rossmann sind diese hingegen von der Seite verschwunden. Rossmann reagierte bisher nicht auf die Anfrage von Business Insider.

Verbraucherschützer warnen vor CBD-Produkten

Auch wenn CBD an sich in der Regel nicht gesundheitsgefährdend ist, warnen Verbraucherschützer vor dem Kauf. „Produkte, die mit CBD beworben werden, würde ich derzeit meiden“, sagte Angela Clausen, Ernährungsexpertin bei der Verbraucherzentrale NRW, zu Business Insider. Denn: Sie seien entweder nach der EU-Verordnung nicht verkehrsfähig und damit nicht erlaubt, oder aber eine Mogelpackung.

„Viele Produkte sind inzwischen vom Markt verschwunden. Andere Händler haben Hanföle auf den Markt gebracht und CBD auf die Verpackung geschrieben — das ist natürlich irreführend“, so Clausen. CBD-Öl wird nachgesagt, eine entspannende und entzündungshemmende Wirkung zu haben. In der Drogerie ist es deshalb oft im Pharmazeutika-Regal zu finden. Eindeutig wissenschaftlich nachgewiesen ist die heilende Wirkung von CBD allerdings nicht.

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